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Was ist Philosophische Praxis?
Es ist das Schicksal des Menschen, dass er sein Schicksal
nicht kennt. Er lebt in einer unabgeschlossenen Geschichte. Ungewissheiten,
Krankheiten, Verlust und Tod sind Teile des täglichen Lebens. Das Verhalten
gerät aus der Bahn. Der Mensch unterliegt Gefühlsschwankungen, das innere
Eigenste wird von Unruhe oder Schwere erfasst. Starke Gefühle und überzogene
Vorstellungen führen zu Einbildung und Wirklichkeitsverlust: Ich bin nicht
bei mir, stehe neben mir und habe Gedanken und Gefühle, die mich befremden.
Ich verstehe mich nicht mehr. Es gibt richtige und falsche Gedanken, wie
es richtiges und falsches Essen gibt. Richtige Gedanken sind fruchtbare
Gedanken, ihnen entspringt gelungenes oder zumindest versöhntes Leben;
falsche Gedanken sind unfruchtbare, führen zu Verkümmerung, Verlust und
Impotenz. Der Mensch kommt nicht zu sich selbst, wird unzufrieden, fühlt
sich unausgeglichen, leidet an übermäßiger Müdigkeit, an Überdruss, Bedrückung:
Er wird vom Ungedachten seiner Geschichte eingeholt. In der Philosophischen
Praxis wird Ungedachtes zu Gedachtem, als Gedachtes zu bewusstem Leben.
Philosophische Praxis sucht die verborgene Lebensgeschichte zu entschleiern
und die Umstände, in die Menschen verstrickt sind.
Praxis, Philosophische. Den Begriff Ph.P
hat G.B. Achenbach bei der Gründung seines Institutes für Ph.P. geprägt:
unter Ph.P. versteht er die professionell betriebene „philosophische Lebensberatung“,
die „in der Praxis“ eines Philosophen geschieht. „In der Ph.P. werden
wir nicht als Lehrer der Philosophie gefordert, sondern als Philosophen.“
„Die konkrete Gestalt der Philosophie ist der Philosoph: und er, der Philosoph
als Institution in einem Fall ist die Ph.P..“ Dabei ist „die Ph.P. ...
ein freies Gespräch. ... Sie ... verordnet keine Philosopheme ..., verabreicht
keine philosophische Einsicht, sondern sie setzt das Denken in Bewegung:
philosophiert“ zu-sammen mit dem Ratsuchenden - den sie nicht als „Fall“
unter vorgegebene Problem- und Lösungsschemata subsumiert, sondern auf
den als Individuum sie eingeht - und kann so helfen, indem sie seine Orientierungsblockaden
lockert und aufhebt: die „Ph.P. weiß nicht Bescheid, manchmal aber weiter“.
(„Historisches Wörterbuch der Philosophie Bd.7 Basel
1989 S.1307)
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Fred Gebler, geboren 1952, studierte an den
Universitäten Bonn und Freiburg Philosophie, Psychologie, Ethnologie und
Volkskunde. Forschungsaufenthalte in Indien und Südostasien. Studium der
japanischen Budo-Disziplin „Aikido“. Über zehn Jahren leitete Fred Gebler,
Familienvater, sechs Kinder, in Bonn und Arsbeck, Kreis Heinsberg, zwei
Philosophische Praxen und ein Aikido-Dojo. Veröffentlichungen zu Medizin,
Philosophie und Philoso-phische Praxis;
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